Anekdoten
Alpe Oberlanzenbach (Zupan) Wir armen Studenten ... Wie andererseits bereits erwähnt, bot unsere Alma Mater wie auch Ulm Anfang der 60er-Jahre nur wenige Möglichkeiten zur Zerstreuung außerhalb des Studienbetriebs. Erst recht nicht während der Semesterferien! Zudem litten wir Studenten allesamt unter chronischer Ebbe im Geldbeutel. Unsere Eltern waren in erster Linie damit beschäftigt, die durch den Krieg verursachten Verluste wieder einzuebnen und unser Studium leidlich zu finanzieren. An extravagante "Studienreisen", noch dazu während der Semesterferien, war überhaupt nicht zu denken! Also waren wir zwar arm am Beutel, aber keineswegs krank am Herzen, dafür reich an Ideen. Wir Badenen sannen uns aus, gemeinsam während der Frühjahrs-Semesterferien 1963 zum Skifahren zu gehen. Man erinnerte sich schnell, dass da ein Allgäuer unter uns ist, und der sollte sich mal um eine Hütte kümmern, möglichst mit Selbstversorgung. ... fanden die Alpe Oberlanzenbach ... Der Allgäuer war ich, und ich war auch derjenige, welcher so eine Hütte kannte, mit Matratzenlager und Selbstversorgung. Nun gut, ein Skilift befand sich nicht direkt am Haus, aber wir hatten ohnehin kein Geld höchstens für Bier und Zigaretten. Es war die Alpe Oberlanzenbach. Ich selbst kannte die Hütte bereits aus früheren Jahren gut. Selbst während meiner Lehrzeit und danach alles andere als betucht, hatte ich wenig Möglichkeiten zum preiswerten Wintersport sie lag nicht weit von meinem Heimatort Wangen im Allgäu entfernt und war mit Zug, Bus und Lift leicht zu erreichen. Wir also mit dem Auto bis Oberstaufen, weiter bis Steibis. Weiter mit der Imbergbahn, damals noch ein Sessellift mit der Möglichkeit, auch Gepäck und Proviant zu transportieren, bis zum Imberghaus. Danach hinten den Imberg hinab, an der Alpe Hochbühl vorbei, zur Alpe Oberlanzenbach.
... mit Alfons, dem Hüttenwart. Diese Alpe war im Winter an den Skiverein Lindenberg verpachtet der Hüttenwart Alfons Wehr war der Ansprechpartner und auch der gute Geist im Haus. bereits über 70 Jahre alt, keine Zähne mehr, sah er zwar unbeholfen aus, aber das täuschte. Wie nun ob seiner Zahnlosigkeit die Pfeife in seinem Mund hielt, war eines der ungelösten Geheimnisse um ihn. Auch war er keineswegs ein Allgäuer, sondern ein Flüchtling oder Heimatvertriebener, und nicht nur deshalb war er schlecht zu verstehen. Während seiner Arbeitsphase war er bei der Stadt Lindenberg als Straßenwart beschäftigt. Doch als Rentner zog es ihn weg von Heim und Herd, nicht zuletzt wegen seiner Meinung nach ziemlich resoluten Frau. Und so war er des Winters eben Hüttenwart. Wenigstens war er so fit, dass er mit 72 Jahren noch neue Ski kaufte ... Und ab ging's ins Allgäu. So planten wir also das Ganze generalstabsmäßig: Wer nimmt daran teil wer hat ein Auto wer fährt bei wem mit wer macht den Speiseplan wer kauft was ein und, und, und ... Bald wussten wir auch , was uns das Ganze kosten wird – noch hatten wir genügend Zeit, darauf zu sparen. Die Zeit kam näher, das Wintersemester 1962/63 neigte sich dem Ende zu und die Grobplanung ging zur Feinplanung über. Endlich kam der große Tag, und ca. 20 Mann, teilweise mit Freundinnen, machten sich mit Sack und Pack auf den Weg in den Süden ins schöne Oberallgäu. Dass und wie wir Mannen und Frauen überhaupt noch Platz fanden in den zugegebenermaßen ziemlich überladenen Autos, auch das bleibt bis heute ein ungelöstes Rätsel. Vielleicht gab es in den frühen 60er-Jahren noch wenig Speck anzusetzen. In Steibis angekommen begann das Aus- und Umladen unseres ganzen "Expeditionsgepäcks" zur Talstation der Imbergbahn. Es war schon eine logistische Meisterleistung, erst alles heil per Sesselbahn nach oben zu bringen, und danach mit einem Hörnerschlitten mit mehreren Fahrten weiter nach unten zur Hütte. Aber auch das haben wir geschafft, und unsere Skiferien konnten beginnen. Die Bierkrise Alfons hatte für den langen Winter scheinbar genug Bier gebunkert und so waren wir also nicht am verdursten ... zunächst. Während der Woche waren wir so gut wie unter uns, also haben wir vor allem abends reichlich gefeiert und gesungen, ohne irgendjemanden besonders zu stören. In diese Zeit fiel auch meine Taufe, die ich an anderer Stelle illustriert habe. Wohl am zweiten Wochenende hatte sich die Lindenberger Feuerwehr angesagt, und irgendwie hatten wir das Gefühl, dass diese Männer nicht zu Exerzitien hier hoch kommen wollten. Eine vorsorgliche Inventur des Bierbestandes durch Alfons fiel nicht gut aus, und so war ab Mitte der Woche das Bier rationiert (seufz). Während der Anwesenheit dieser Mannen wurden wir ins Hinterzimmer ausgelagert Alfons deponierte vorsorglich dort für uns einen Kasten Bier. Trotz akutem Biermangel stand die Hütte 3 Tage lang Kopf, und wir Badenen verstanden uns bestens mit der Feuerwehr! Danach spitzte sich die (Bier-)lage eklatant zu. So sehr, dass wir Badenen uns ab da täglich mit dem Hörnerschlitten zur Imbergbahn machten, um pro Fuhre 4 Kasten Bier zu holen. Im Sommer war das einfacher: Das Bier kam mit dem Lkw direkt vor die Hütte. So mühsam haben wir noch nie um unser Überleben gekämpft wie dort, und ab dieser Zeit haben wir bei unserem Hüttenaufenthalt jeden Schluck doppelt geschätzt. Wir waren noch öfters dort oben ... Auch der schönste Urlaub ging einmal zu Ende und schweren Herzens mussten wir uns wieder auf den Heimweg begeben. Wir haben das Ganze noch mehrfach wiederholt, nicht immer unter der Leitung der Badenen, aber immer mit Badenen und zum anderen Teil mit Freunden und Kommilitonen.
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